Zur Hölle mit den Pfunden!

Noch fühlt sich 2014 taufrisch an. Zeit, mit einem neuen Vorsatz an den Start zu gehen oder den seit Jahren Vorgenommenen, aber irgendwann wieder Fallengelassenen, endlich in die Tat umzusetzen. Um die Last des „Neujahrsvorsatz-Scheiterns“ von vornherein zu eliminieren, startete ich die Unternehmung „Gewichtsverlust – Nun aber richtig!“ bewusst am zweiten Januar vergangenen Jahres. Ein Tatsachenbericht über das Wie, Womit und Warum…

Prolog

Oktober 2012. Mal wieder Zeit für eine neue Hose. Ich durchsuchte die Jeans-Abteilung eines Kaufhauses in Krefeld. Irgendwo muss doch noch eine 38er Größe herumliegen. Dass ich mich wesentlich wohler in einer 42 fühlte, wusste ich wohl, aber man hat ja seinen Stolz und den Bauch kann man schließlich auch mutig einziehen.

Ich hielt mich wohl einen Tick zu lange in der Abteilung auf. Eigentlich achte ich penibel darauf, dass sich mir keine gelangweilte Belegschaft auf Hörweite nähert. Vielleicht war ich aufgrund meiner Verzweiflung über die erfolglos anprobierten Hosen auch unachtsam oder mein Blick war ob des Schweißes, der mir bereits auf der Stirn stand und stetig in meine Augen lief, getrübt. Jedenfalls war sie plötzlich da. Dieser Typ Verkäuferin, der einen mit leicht zur Seite geneigten Kopf mustert, so dass man sich zwangsweise unwohl in seiner Haut fühlen muss. Ich hatte auch schon meine Standardantwort („Nein, danke, ich schau’ mich nur um.“) auf ihre Standardfrage parat. Doch bevor ich meinen über die Jahre perfektionierten Text aufsagen konnte, erwischte sie mich unvorbereitet mit einem „Hier haben wir keine Übergrößen; die sind oben.“ WTF?!

Szenenwechsel. Sitze auf meinem Sofa und denke über das Erlebte nach. Objektiv betrachtet hatte die Dame durchaus Recht. Ich belog mich selbst schon viel zu lange, indem ich versuchte meinen nicht mehr zu übersehenden Bauch mit XXXL-Klamotten zu kaschieren.

Ist ja nicht so, dass ich’s nicht mit Diäten in den vergangenen Jahren versucht hätte, aber nach FdH oder Kohlsuppe schlug der Jo-Jo-Effekt erbarmungslos zurück – was, wie ich mir mittlerweile eingestanden hatte, natürlich daran lag, dass ich nach den Diäten wieder die für mich „üblichen“ Portionsgrößen vertilgte. Beispiele gefällig? Beim Lieferservice ein Wagenrad von Pizza geordert – nebst Dessert. Im Fast-Food-Tempel drei oder vier Hamburger verdrückt. Filmabende regelmäßig mit einer Tüte Chips und Eis „abgerundet“.

Dauerhaft abnehmen – nur wie?

Ich wollte ja abnehmen. Wirklich! Aber bitte möglichst ohne mich sportlich betätigen zu müssen… Und vor allem ohne eine weitere, erfolglose Diät. Tante Google spuckte spät am Abend das Wort aus, welches mein Leben verändern sollte: Ernährungsumstellung. Mir grauste bei der Vorstellung mich nur noch mit Grünzeug und dergleichen über Wasser zu halten. Deshalb räumte ich mir Bedenkzeit bis Jahresende ein, um mich eingehender mit der Materie zu beschäftigen und um herauszufinden, ob das auch wirklich eine dauerhafte Lösung für mich darstellte.

Zur gleichen Zeit suchte ich meine Hausärztin auf, um einen Check meines Blutbilds durchführen zu lassen. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die Werte durch die Decke gingen und Frau Doktor alles andere als zufrieden mit mir war. Den Arztbesuch nahm ich zum Anlass in einem Jahr erneut meine Werte überprüfen zu lassen – sofern ich mein Vorhaben erfolgreich umsetzen könnte.

Zwischen Weihnachten und Silvester war die Umstellung der Ernährung beschlossene Sache und das Startdatum wurde auf den zweiten Januar fixiert, um es bloß nicht wie einen guten Vorsatz fürs neue Jahr aussehen zu lassen. Was mir noch fehlte war eine Kontrollinstanz – ein Einpeitscher quasi – um mich anzutreiben und schlussendlich zum Erfolg zu führen. Aber wer oder was sollte diesen undankbaren Job übernehmen?

1. Januar 2013. Leicht verkatert lag ich auf dem Sofa und schaute gelangweilt in die Glotze, als zum gefühlt hundertsten Mal an diesem Tag GewichtGucker-Werbung über den Bildschirm flimmerte, welche – ähnlich der der AutoScheibe-Spacken – nur noch nervte (Namen von mir geändert – will ja keine Schleichwerbung machen). Ich wollte schon anfangen mich aufzuregen, als eine innere Stimme mir zu verstehen gab, dass ich meinen Einpeitscher gefunden hätte. Nun gut, TV aus- und Laptop eingeschaltet. Nach einem ausgiebigen Studium des „Punktezählen“-Konzepts entschied ich mich für eine Mitgliedschaft. Die passende Smartphone-App lud ich mir noch herunter und gab spaßeshalber einige Lebensmittel ein, um zu prüfen, wie viele Punkte beim Verzehr selbiger verbraucht würden. 26 Punkte für einen X-tra Long Chili Cheese oder 14 für einen Döner klingen vielversprechend, allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, wie viele Punkte mir tatsächlich pro Tag zur Verfügung stehen sollten…

Es wird ernst!

2. Januar 2013. Ich loggte mich in den Mitgliederbereich ein und füllte wahrheitsgemäß einen umfangreichen Fragebogen aus. War kein Problem für mich, bis es zur Abfrage des aktuellen Gewichts kam. Ich suchte meine Waage, legte Batterien ein und schaute ungläubig auf das Ergebnis: 115,8 Kilogramm. Herrje! Schien, als hätte ich mich wirklich gehen gelassen. *hüstel* Als Resultat präsentierte man mir eine Punktzahl von 49, welche die tägliche Essen-Ration darstellte und die nicht überschritten werden durfte. Zusätzlich bekam ich noch 49 „Wochen-Punkte“, die ich im Falle des Heißhungers in einem Rutsch verballern oder auf sieben Tage aufteilen durfte, so dass mir im Endeffekt pro Tag 56 Punkte zur Verfügung standen.

Im Zuge meiner Ernährungsumstellung-Recherche hatte ich bereits eine Liste mit favorisierten Lebensmitteln erstellt. Diese Liste glich ich nun mit den GewichtGucker-Angaben ab. Schließlich war das Ziel nicht hungern zu müssen und dennoch abzunehmen. Meine finale Aufstellung enthielt unter anderem diverse Fisch- und Gemüsesorten, (klare) Suppen, Buttermilch, Bananen, Paprika (als Chips-Knabber-Ersatz und für den Heißhunger zwischendurch) sowie Magerquark, Vollkorn-Produkte und Sauerkraut – viel Sauerkraut!

Die ersten Wochen…

…waren fürchterlich! Zum einen war da die Gefahr des Rückfalls: Ich musste höllisch aufpassen nicht (m)einem Verlangen zu erliegen – überall lauerte der Heißhunger-Teufel und führte mich in Versuchung. Zum anderen hatte ich Probleme beim Zuweisen der Punktzahlen für „zusammengewürfeltes Essen“ – will heißen, dass ich nie so recht wusste, wie viele Punkte denn nun ein Milchbrötchen mit einer Scheibe Salami und einem Salatblatt hat. Das führte dazu, dass ich vor lauter Unsicherheit lieber auf ein „richtiges“ Essen verzichtete statt Gefahr zu laufen mein Punktelimit zu brechen (weshalb ich anfangs auch zu schnell Gewicht verlor).

Erst mit der Zeit entwickelte ich ein Gefühl dafür, was ich mir nun erlauben durfte und was ich besser links liegen lassen sollte. Was immer ging waren Bananen. Es gab Tage, an denen ich bis zu drei Heißhungerattacken bekam. Gott sei Dank hatte ich immer eine ausreichende Menge Bananen dabei, so dass es kein Problem war sich mal eben eine (oder auch zwei) davon reinzuziehen.

Nicht nur achtete ich darauf, immer Bananen im Haus zu haben, sondern auch Paprika. Ich schnitt immer drei Paprika in Streifen, warf etwas Salz und Pfeffer dazu und füllte damit eine Tupperdose. Auf diese Weise konnte ich etliche Kantinenbesuche überbrücken und musste mich nicht unnötig der Versuchung aussetzen.

Natürlich gab’s Mittags nicht nur Paprika: Sehr oft hielt ich mich mit Tütensuppen und Magerquark (mit einem Teelöffel Marmelade untergerührt) über Wasser. War kein Problem für mich, da ich sowieso lieber Abends warm esse. Sobald ich in meiner Wohnung war, wurde Tiefkühlfisch und -gemüse angerichtet. Öfters auch mal mit einer kleinen Portion Salat (den ich immer in einer großen Schüssel für eine halbe Woche zubereitete und dann portionierte).

Morgens aß ich ein halbes Brötchen oder alternativ eine Scheibe Schwarzbrot beziehungsweise Knäckebrot mit einer Scheibe Salami oder Käse. Als Grundlage diente mir etwas Magerquark.

Zu Partys bin ich mit dem Wagen gefahren statt Bahn oder Taxi zu nutzen, um bloß keinen „bösen“ Alkohol trinken zu müssen. Der Hauptgrund war aber eher, dass ich so um die in meinen Augen unbequemen Fragen herumkam, warum ich denn nichts trinken würde oder ob ich krank sei. ;-)

Wie ging’s weiter?

Nach ungefähr eineinhalb Monaten hatte ich mich an die Umstellung gewöhnt. Ich kam gut mit den zugeteilten Rationen aus und hatte an keinem Tag das Gefühl nicht satt geworden zu sein. Ich gestattete mir sogar einen „Cheat-Day“ pro Woche („Hallo Döner!“). Und zum ersten Mal sah ich den Erfolg meiner Ernährungsumstellung nicht mehr nur auf der Waage, sondern auch an meinen Hosen: Sie wurden zu weit und mussten durch kleinere Größen ersetzt werden. Ein geiles Gefühl!

Mitte April 2013. Ich beschloss bei GewichtGucker zu kündigen. Das Punktezählen benötigte ich nicht mehr, denn ich konnte mittlerweile sehr gut einschätzen, welche Lebensmittel ich in welcher Portionierung essen kann/darf ohne gleich wieder zuzulegen.

Anfang Mai 2013. Die Waage präsentierte 89,1 Kilogramm. Der Wahnsinn! Der 90 auf der Waage war ich seit mehr als 15 Jahren nicht mehr so nahe gekommen. Dennoch: Da geht bestimmt noch etwas mehr…

Nase zu und durch!

Um mein Gewicht zu halten und vielleicht noch ein paar Pfunde zu verlieren, musste ich noch meinen inneren Schweinehund angehen und mich an eine Sache wagen, die ich schon seit Jahren nur noch vom Hörensagen kannte: Sport!

Ausdauersport wie Joggen oder Schwimmen ist für den Anfang nicht die schlechteste Idee, aber Kraftsport sollte man auf jeden Fall in die Planung einbeziehen, denn dieser sorgt dafür, dass die gebildeten Muskeln noch mehr Energie verbrauchen. Ein schlauer Kopf im Fernsehen meinte dazu, dass man durch Kraftsport mehr essen könne ohne zuzunehmen. Und wenn man die Nahrungsmenge unverändert lässt und dazu noch Muskeln aufbaut, würde man sogar automatisch abnehmen. Verlockend…

Also: Laufschuhe gekauft, eine für den Anfang zwei Kilometer lange Strecke gewählt und locker losgejoggt. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass ich zu Beginn an elendigen Muskelkatern litt. Mit der Zeit ging’s besser; es machte und macht mir aber immer noch keinen richtigen Spaß – ich seh’s mehr als notwendiges Übel. Parallel dazu fing ich an in unserem Firmen-Gym Gewichte zu stemmen.

Durch den Kraftsport und den Muskelschub musste ich meinem Körper eine erhöhte Eiweiß-Dosis zuführen. Zu dieser Thematik existieren unterschiedliche Meinungen (0,8 bis 1,8 Gramm Eiweiß je 1 Kilogramm Körpergewicht). Ich habe für mich entschieden, dass 1 bis 1,2 Gramm (also summa summarum 90 Gramm) ausreichen sollten und das nicht täglich, sondern nur an den jeweiligen Trainingstagen.

Ich entschied mir ordentlich Harzer Käse reinzustopfen. Warum? Weil der Harzer so gut wie kein Fett, aber umso mehr Eiweiß enthält. Der gewaltige Nachteil: Er stinkt zum Himmel (und somit auch ich)! Also aß ich an Tagen, an denen (Kraft-)Sport angesagt war, brav bis zu vier Rollen Harzer… *würg*

Natürlich kann man sich vorstellen, dass ich den Harzer irgendwann im Regal liegen ließ, weil der bloße Anblick ausreichte, meine Magensäfte bedrohlich brodeln zu lassen.

Nach mehr als einem halben Jahr kann ich behaupten, den inneren Schweinehund erfolgreich bekämpft zu haben. Ich gehe bis zu dreimal wöchentlich ins Fitnessstudio (keine Bange, ich pumpe mich nicht auf, denn das gefällt mir absolut nicht). Sollte ich das zeitlich nicht schaffen, warten alternativ meine Laufschuhe auf mich, die mich auf einer sechs bis acht Kilometer langen Strecke begleiten.

Epilog

Januar 2014. Mein Gewicht bewegt sich zwischen 86 und 88 Kilogramm (stabil seit August 2013). Die Ernährungsumstellung ist weiterhin fester Bestandteil meines Lebens. Durch das Mehr an Bewegung dank meiner sportlichen Aktivitäten erlaube ich mir wieder Alkohol und den seltenen Besuch eines Fast-Food-Restaurants. Dann schiebe ich mir aber nicht drei, sondern nur einen Burger zwischen die Zähne. Und Pizza wird nicht mehr in Familiengröße, sondern im kleinen/mittleren Umfang geordert.

Zweimal brachte ich im vergangenen Jahr meine Klamotten zur Altkleidersammlung, da mir rein gar nichts mehr passte. Meine Konfektionsgröße bei Hosen fiel von 42 auf 34/36; bei T-Shirts von (X)XXL auf (X)L.

Im Herbst letzten Jahres war ich zwecks Blutbild erneut bei meiner Hausärztin vorstellig mit dem Ergebnis, dass mittlerweile alle Werte im grünen Bereich sind.

Sicherlich ist die Art und Weise, wie ich meine Ernährungsumstellung in den letzten 365 Tagen angegangen bin, keine mustergültige Lösung, aber vielleicht eine Anregung… Jede(r) muss für sich selbst den optimalen Weg zur Pfunde-Purzelei finden. Und sobald dieser Weg beschritten wurde und sich die ersten Erfolge einstellen, kann ich versprechen: Abnehmen macht Spaß!

In diesem Sinne: Frohes Neues und viel Glück beim Umsetzen der Vorsätze für 2014!