Review: Rites Of Spring

Von einschlägigen Websites als neue Slasher-Hoffnung ausgerufen, ist Wormface angetreten die Kultkiller Freddy Krueger, Michael Myers und Jason Voorhees zu beerben. Aber doch bitte schön nicht so! Was Regisseur Padraig Reynolds mit Rites Of Spring abliefert, markiert den derzeitigen Tiefstand am Horror-Firmament.

Rites Of Spring

Ich mache keinen Hehl daraus: Ich liebe Horrorfilme! Am besten ordentlich mit Splatter und Gore gewürzt. Wird als Sahnehäubchen noch eine spannende Story draufgepackt kann kaum noch etwas schiefgehen. Dabei ist es mir „relativ“ egal, ob sich die immergleiche Story nur in Nuancen von den vorherigen Interpretationen unterscheidet oder sich jemand die Mühe macht etwas Innovatives ins grösstenteils ausgelutschte Horror-Genre zu werfen. Beides hat Vor- und Nachteile: Bei ersterem läuft man Gefahr die Zuschauer zu langweilen, während das Zweite daran scheitern kann, dass die Beteiligten zu viel wollen und die Zuschauer eher verwirrt das Kino verlassen oder die Scheibe aus dem Player nehmen…

Eine Mischung aus Altbewährtem und halbwegs Neuartigem wird einem mit Rites Of Spring aufgetischt, der sowohl im Horror- (Slasher, Soft Torture) wie auch im Thriller-Genre (Crime, Supernatural) anzusiedeln ist.

Zwei Handlungsstränge

Mehrere Erpresser fordern Lösegeld für ein entführtes Kind. Während der Vater noch seiner erschossenen Ehefrau hinterhertrauert und sich um die Beschaffung der zwei Millionen Dollar kümmert, treffen sich die Gangster in einem verfallenen Gebäude auf dem platten Land, um auf ihren Partner zu warten, der das Lösegeld an einem anderen Ort in Empfang nehmen soll.

Ortswechsel: Ein Fremder entführt zwei Frauen, knüpft diese in einer Scheune auf und lässt sie bis zur Bewusstlosigkeit zur Ader. Mit dem gesammelten Blut wird eine Kreatur in einem unterirdischen Verschlag genährt. Das Vieh will aber mehr und so wird eine der Damen dem Wesen „geopfert“, während der Anderen die Flucht gelingt, indem sie den Fremden überwältigt – gerade noch rechtzeitig, um Wormface (so der Name unseres Killers) zu entkommen.

Auf der Flucht vorm Wurmgesichtigen stößt das Mädel auf die Gangster, die zwischenzeitlich etwas Stress an der Backe hatten. Natürlich kommt unser Killer hinzu, und so beginnt ein wenig blutiger und höchst unlogischer Kampf ums Überleben.

Rites Of Spring

Häh? Was war das denn?!

Scheiße, nein! Was habe ich mich schon nach dreißig Minuten geärgert, dass ich diesen Fehltritt überhaupt eingelegt – geschweige denn gekauft – hatte.

Die Synchronisation ist mies. Wirklich grottig. Die Originalstimmen sind nicht besser. Man wird das Gefühl nicht los Laiendarstellern bei ihren ersten Gehversuchen beizuwohnen.

Das abrupte Ende lässt sich noch verschmerzen. Die Tatsache, dass in keinster Weise erklärt wird, wo Wormface denn nun herkommt, was er in diesem Verließ macht und wer der Typ ist, der ihn regelmäßig zum Frühlingsanfang mit jungen Frauen füttert, führe ich auf mangelnden Einfallsreichtum seitens des Regisseurs zurück, der es uns aber sicherlich als „Mysterium“ verkaufen möchte und auf eine Fortsetzung spekuliert. Schließlich soll Wormface der legitime Nachfolger der Slasher-Ikonen meiner Jugend werden. NOT!!!

Rites Of Spring

Und überhaupt: Diese absolut unlogischen Aktionen! Okay, ich bin’s ja gewohnt, dass man in Horrorfilmen stets Treppen rauf- statt zur Tür rausrennt oder Fahrzeuge in den ungünstigsten Momenten nicht anspringen wollen. Aber selten habe ich mich derart auf den Arm genommen gefühlt wie in diesem Fall. Da springt der Motor des Wagens doch tatsächlich an, aber statt sofort abzuhauen wartet man noch eine gefühlte Ewigkeit, bis Wormface endlich mit seinem Schlachterwerkzeug auf die Motorhaube hüpft und die Scheibe zu Klump haut. Und Wormface? Agiert genauso dämlich: Statt die Tür aufzureißen und die Fahrerin rauszuziehen, knüppelt er wie ein Berserker auf dem Wagen rum. Und wenn ich schon eine geladene Knarre in der Hand halte, labere ich nicht noch fünf Minuten durch die Gegend und lasse mich schließlich doch über den Haufen schießen, sondern drücke zuerst ab – auch wenn ich nur daneben schieße… Egal, Hauptsache eine halbwegs nachvollziehbare Aktion gestartet. Ach, ich will gar nicht weiter aufzählen. Fast alle Handlungen sind kaum bis gar nicht nachvollziehbar und sollen dem Spannungaufbau dienen, der allerdings mit jeder weiteren Vollspacken-Aktion zunichte gemacht wird.

Positives gibt’s aber auch zu vermelden: Die Kameraarbeit ist erstaunlich gut und der Film ist ungeschnitten in deutschen Landen erhältlich. Für den Fall, dass das das ausschlaggebende Kriterium für den potentiellen Käufer sein sollte. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt! Denn für Gorehounds ist nichts Neues dabei. Die Kills sind uninspiriert und halten nicht, was eine Uncut-Fassung verspricht: Gekröse, dass die Knochen krachen und die Venen platzen sucht man hier vergeblich.

Der gute Herr Reynolds hätte sein Drehbuch mal einem erfahrenen Menschen in die Hand drücken sollen, um die gröbsten Schnitzer auszubügeln. Aber nein, stattdessen legt er mehr Wert auf wackelige und elegische Postkartenaufnahmen des Mississippi-Hinterlandes.

Ich kann nur inständig hoffen, dass diesem Film (und uns) eine Fortsetzung erspart bleibt. Nee, Wormface, das war nichts. Bleib’ in deinem Loch und überlasse den Altgedienten die Slasher-Arbeit.

Finger weg von diesem Schrott!

Rites Of Spring