Review: Pacific Rim

Nach der maßlosen Enttäuschung, die ich dank Guillermos produziertem Mama erleben „durfte“, hat er mich mit Pacific Rim wieder versöhnlich gestimmt. Allerdings nicht hundertprozentig! In diesem Review wird massiv gespoilert. Wer sich also nicht die (Vor)freude auf den Film verderben will, achtet bitte darauf, dass er/sie JavaScript aktiviert hat – das garantiert, dass die Spoiler ausgeblendet werden.

Pacific Rim

Spoiler voraus!

Im pazifischen Ozean bricht eine Erdspalte – der sogenannte „Breach“ – auf, der hochhausgroße Monster („Kaijūs“) entfleuchen und die Welt in Schutt und Asche legen lässt. Anfangs ist die Menschheit wehrlos, entwickelt dann aber das „Jaeger“-Programm: In globaler Union (aktuellen Kriegen und Fehden trotzend) entwickeln findige Köpfe ebenbürtige Kampfroboter, welche mittels neuronaler Schnittstelle von zwei Piloten gesteuert werden (müssen). Die „Drift“ genannte Vernetzung hat den Nachteil, dass nicht nur die Piloten in die Gedankenwelt des jeweils anderen eintauchen, sondern auch, dass Beschädigungen des Jaegers auf die Piloten übertragen werden und diese dadurch zu Schaden kommen können.

Den Viechern wird erstmal ordentlich eingeheizt; die Jaeger-Piloten werden wie Popstars gefeiert, und die Bedrohung aus dem Erdinneren schrumpft auf ein Minimum. Bis zu dem Tag, an dem der Jaeger „Gipsy Danger“, besetzt mit den Brüdern Raleigh und Yancy Bucket, von Knifehead, einem Kaijū der Kategorie III, auseinandergenommen wird. Dabei kommt Yancy ums Leben und Raleigh schafft es als zweiter Mensch in der Geschichte, einen Jaeger alleine zu steuern und sich somit schwerverletzt zu retten.

Pacific Rim

Fünf Jahre später ist das Jaeger-Programm Geschichte. Die UN hat es aufgrund diverser Fehlschläge für beendet erklärt und mit dem Bau der „Walls of Life“ begonnen – riesigen Mauern, die die verbliebenen, am Pazifik gelegenen Metropolen vor den in immer kürzeren Abständen auftauchenden Monstern schützen soll. Man stellt allerdings schnell fest, dass die Mauern keinerlei Schutz bieten, als ein Kaijū namens Mutavore Sydney angreift und erst durch „Striker Eureka“, einem Jaeger besetzt mit dem Vater-Sohn-Gespann Herc und Chuck Hansen, gestoppt wird.

Raleigh, der als Ex-Jaeger-Pilot an einer der Mauern arbeitet, wird von seinem ehemaligen Marshall Stacker Pentecost aufgesucht, um für eine neue Mission (dem Versiegeln des Breach mithilfe einer Nuklearbombe) rekrutiert zu werden. Bevor der Stecker gänzlich aus den verbliebenen Kampfrobotern gezogen wird, hat man diese mitsamt Piloten und Technik-Crews in den Shatterdome nach Hong Kong gebracht. Neben dem Urgestein Gipsy Danger und Striker Eureka befinden sich noch „Crimson Typhoon“ mit den chinesischen Drillingsbrüdern Wei und „Cherno Alpha“ mit dem russischen Ehepaar Sasha und Aleksis Kaidonovsky im Shatterdome. Unterstützt werden die Piloten und Techniker durch zwei spleenige Wissenschaftler, namentlich Newton Geiszler und Hermann Gottlieb.

Pacific Rim

Ein erster Probelauf mit Raleighs Co-Pilotin Mako Mori in Gipsy Danger endet beinahe in einer Katastrophe, als Mako sich in den eigenen Erinnerungen (als kleines Mädchen wurde sie von Pentecost im Jaeger „Coyote Tango“ vor dem Kaijū Onibaba gerettet) beim Aufbau der neuronalen Brücke verliert und die Plasmakanone des Kampfroboters im Shatterdome aktiviert. Parallel erfährt Geiszler durch einen Drift mit einem sichergestellten, aber nicht mehr hundertprozentig funktionstüchtigen Kaijū-Gehirn, dass die Kaijūs an der Kolonialisierung der Erde interessiert sind und eine Welt nach der anderen zerstören.

Pacific Rim

Beim verheerenden Angriff der Kategorie-IV-Kaijūs Leatherback und Otachi werden Cherno Alpha und Crimson Typhoon samt ihrer Piloten vernichtet. Striker Eureka, der durch einen von Leatherback ausgelösten EMP ausgeschaltet wurde, kann gerade noch rechtzeitig von Gipsy Danger gerettet werden.

Um einen weiteren Drift mit einem Kaijū zu initiieren, sucht Geiszler den Schwarzmarkthändler Hannibal Chau auf. Von diesem erhofft er sich die Beschaffung eines funktionstüchtigen Monsterhirns. An dieses gelangt er schneller als erwartet, als Otachi von Gipsy Danger eliminiert wird.

Pacific Rim

Stopp! STOPP!!!

An dieser Stelle breche ich die Inhaltsangabe vorsichtshalber ab, sonst kann man vor lauter Spoilertext gar nichts mehr lesen…

Zuerst das Negative: Wie ich eingangs schrieb, bin ich mit Pacific Rim nicht vollends zufrieden, was der Tatsache geschuldet ist, dass der Film mit etwas mehr als zwei Stunden einfach zu lang geraten ist. Die auf eine Serviette passende Original-Story (angeblich wusste del Toro nichts von Neon Genesis Evangelion) dient als Lückenfüller für die brachialen Schlachten, welche tricktechnisch zwar „state of the art“ sind, aber durch die viel zu lang geratenen Kämpfe ab einem gewissen Punkt ermüdend wirken (und mich langweilten). Hinzu kommt das unspektakuläre Finale, welches im Vergleich zu den vorigen Schlachten enorm abfällt.

Soweit zum Genörgel, kommen wir zu den positiven Dingen: Der wuchtige Score des aus Duisburg stammenden Ramin Djawadi hat mich an Hans Zimmer oder Trevor Rabin erinnert und könnte so auch gut ins nächste Call Of Duty eingebaut werden. Die Vorbereitungen der Piloten in den Jaeger; der Transport der Roboter zur nächsten Schlacht; das Aufeinandertreffen Jaeger vs. Kaijū – all das unterlegt Djawadi mit Orchesterklängen, die das Thema des Films zwar nur wenig variieren, sich dennoch perfekt in den Film integrieren.

Pacific Rim

Zu meiner Verwunderung muss ich gestehen, dass ich vom 3D-Effekt angenehm überrascht war. Schließlich bin ich mit der Annahme ins Kino, dass die leinwandfüllenden und zumeist in tiefer Nacht stattfindenden Fights sich nur schwer für 3D eignen würden. Wer den Film nur in 2D sehen kann, braucht nicht enttäuscht sein: Er unterhält auch in dieser Variante ordentlich!

Die Schauspieler dienen nur als Staffage – del Toro hat ihnen auch nicht wirklich viel abverlangt. Charlie Hunnam („Raleigh Bucket“) und Rinko Kikuchi („Mako Mori“) spulen routiniert ihr Programm bis zum Happy-End-Finale inklusive Geknutsche (fühlte nur ich mich bei dieser Szene an James Bond erinnert?) ab. Idris Elba („Stacker Penecost“) gibt den beinharten Chef der Truppe mit Herz. Wirklich nennenswerte Momente haben Ron Perlman als Schwarzmarkthändler und Charlie Day als „driftender“ Wissenschaftler. Perlman darf sich im Abspann (Sitzenbleiben!) durch Kaijū-Gedärm den Weg nach draußen freischnibbeln, während Day den überdreht nerdigen Wissenschaftler spielt, der mehr Glück als Verstand haben dürfte.

Pacific Rim

Arthouse-Freunde müssen draußen bleiben!

On top „genießt“ man schmissige One-Liner und markige Sprüche im Angesicht des Todes. Heroisch halt! Passt aber, ist schließlich ein Popcorn-Film, der sich nicht immer ernst nimmt und den Zuschauer mehr als zufriedenstellend unterhält. Guillermo del Toro hat sicherlich nicht das Rad neu erfunden, wohl aber einen Meilenstein der Tricktechnik geschaffen, der auf der großen Leinwand gesehen werden will. Die Heimkino-Auswertung wird nicht minder erfolgreich ausfallen, dort dürften aber mehr die Sound-Fetischisten zum Zuge kommen…

Sehr gut gefallen hat mir zudem die Exposition, durch die man fix in die Welt der Kaijūs und Jaeger geschossen wird und sich sofort zurechtfindet. Auch wenn man kein Bewohner dieser zukünftigen Fantasiewelt sein möchte, so fühlt man sich als Zuschauer sofort heimisch und kann sich ganz auf die Keilereien konzentrieren.

Alles in allem bietet Pacific Rim genau das, was man für sein Geld erwartet: Geknüppel und Zerstörung von und mit Robotern und Monstern.

Pacific Rim