Review: Mad Max – Fury Road

„Never believe the hype“ – wie wahr! Aufgeputscht durch fantastisch aussehende Trailer konnte ich es kaum abwarten den vierten Mad Max endlich auf der großen Leinwand zu sehen. Nun, zwei Tage danach, weiß ich noch immer nicht so recht, ob mir der Film gefallen mag…

Wie immer gilt: JavaScript einschalten, damit nicht unbeabsichtigt gespoilert wird…

Ja, ich war heiß auf diesen Film! War es doch längst an der Zeit, dass ein Reboot, Sequel, Prequel oder was-auch-immer den vor dreißig Jahren die Trilogie beendenden Tina-Turner-Weichspüler-Quatsch vergessen macht und eine neue Generation Kinogänger sich von der dystopischen und mit allerlei schrägen Charakteren bevölkerten Endzeit berauschen und mitreißen lässt.

Mad Max: Fury Road

Dass der vor zwei Monaten 70 Jahre alt gewordene George Miller, welcher ebenfalls für die zum Kult gewordenen Mad Max (1979) und Mad Max: The Road Warrior (1981) und die bereits erwähnte Gurke Mad Max Beyond Thunderdome (1985) verantwortlich zeichnete, wieder im Regiestuhl Platz nahm und trotz Jahren in der Entwicklungshölle und anderer Schwierigkeiten tatsächlich einen vierten Mad Max in die Kinos bringen sollte, ließ Fans aufhorchen und berechtigt hoffen, dass die Fury Road zurück zu den Wurzeln des einst von Mel Gibson stoisch gespielten und wortkargen Helden führen würde.

Die „Handlung“

In einer postapokalyptischen Zukunft hilft Mr. Rockatansky (Tom Hardy) gezwungenermaßen der einarmigen Imperator Furiosa (Charlize Theron) eine Fuhre unfreiwilliger „Gebärmaschinen“, die direkt vom Laufsteg der letzten „Victoria’s Secret“-Show gehüpft zu sein scheinen, dem Tyrannen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne, der Toecutter des ersten Teils) zu entreißen und ihnen zu einem Leben in Freiheit zu verhelfen. Das wollen Joe und seine Schergen, die „War Boys“, samt verbündeter Banden verhindern und verfolgen Max’ und Furiosas Tanklastzug durch die Wüstenödnis…

Mad Max: Fury Road

Furiosa Road

Dass die Handlung auf eine halbe Serviette passt: Geschenkt. Bei einem Mad-Max-Film erwartet man keine Oscar-reifen Monologe oder Method Acting vom Feinsten. Aaaber: Was, bitte schön, hat man sich dabei gedacht, den titelgebenden Helden zu einem grummelnden Stichwortgeber zu degradieren und die Minimalhandlung auf Furiosa und ihre Modelgarde auszurichten?

Ist dies der Versuch das benzingetränkte Roadmovie einer weiblichen Kinoschar schmackhaft zu machen, weil man nicht Tom Hardys alleiniger Wirkung vertraut? Oder will man den Furiosa-Charakter einführen, damit diese in einem Spin-off auf weiblichen Max machen darf?

Auch Mel Gibson war kein Freund längerer Phrasen oder knackiger One-liner, aber seine ersten beiden Ausflüge durch eine verwahrloste Welt, in der die brutale Jagd nach Benzin und Wasser über allem anderen steht, waren hundertprozentig auf Max Rockatansky zugeschnitten – ganz im Gegensatz zum desaströsen dritten Teil, der sich zu sehr auf Tina Turners „Aunty Entity“ konzentrierte und einem Mainstream-Publikum gefallen wollte.

Mad Max: Fury Road

Style over Substance

Filme wie diese leben nicht von einer ausgefeilten Storyline. Brauchen sie auch nicht. Vor Charakterzeichnung und -entwicklung steht (fast immer) die Action. Dennoch wäre es schön nicht nur in vage dargestellten Flashbacks zu sehen, warum Max mad wurde.

Um die Logik sollte man sich nicht scheren, will man sich den Spaß an der überbordenden Crash-Orgie nicht versauen (offensichtlich hat man auch in der zweiten Generation nach der Apokalypse noch genügend Benzin für die spritfressenden Vehikel und sogar Treibmittel für die den War Boys kurz vor ihrem Eintritt ins Walhalla verabreichte silberne Droge).

Eine Dramaturgie sucht man vergebens: Der rote Faden (die „Verfolgungsjagd“) ist zwar vorhanden, aber viel zu dünn, als dass dieser für eine Portion Spannung sorgen könnte. Es wird wohl ein Geheimnis Millers bleiben, weshalb er die imposantesten (und bereits aus den Trailern bekannten) Szenen in den ersten beiden Film-Dritteln zeigt.

Nachdem Max und Furiosa erst gegenseitig versuchen sich die Köpfe einzuschlagen, gelingt dies bei ihren Feinden umso besser und die Beiden kommen dabei derart (über)mächtig rüber, dass man sich nicht darum kümmern muss, ob sie die Story überleben – höchstens: wie.

Durch das Abhanden sein der Entwicklung bei den Charakteren ist einem auch das Dahinscheiden selbiger vollkommen egal. Der Film heuchelt gar nicht erst das Erwecken jedweder Gefühle beim Zuschauer.

In einem Punkt funktioniert Fury Road, der die Essenz eines jeden Mad-Max-Films darstellt: den Stunts! Wenn sich Blech in Blech wickelt, die überschlagenden Fahrzeuge in gewaltigen Feuerbällen aufgehen und sich so derb verprügelt wird, dass Otto Normal schon nach dem ersten Treffer ins Nirwana hinüberwandert, hüpft das Action-Fan-Herz. Es ist dem Film und seinen Machern hoch anzurechnen, dass wenig CGI, dafür aber Heerscharen an Stuntmen eingesetzt wurden, um das Gezeigte für den Zuschauer so „spürbar“ wie nur irgend möglich zu machen. Leider muss ich anmerken, dass trotz handgemachter Stunts diese irgendwann ob ihrer Häufigkeit ermüden und teilweise sogar beginnen den Betrachter zu langweilen.

Unterstrichen werden die bombastischen Szenen durch einen (im positiven Sinne) fies-derben Soundteppich: Die grollenden Bässe hämmern aus allen Richtungen, wenn die Gaspedale der PS-starken Maschinen durchgetreten werden und die Jagd auf den Furiosa-Tross beginnt. Bei Crashs und Explosionen wird man förmlich in den Kinosessel gepresst und spürt fast schon physisch jeden einzelnen Hieb und Tritt in Magengrube und Gesicht der Darstellerschar. Auch der Soundtrack des Holländers Junkie XL gefällt und unterstreicht die opulenten Bildkompositionen Millers.

Mad Max: Fury Road

Weder Fisch noch Fleisch

Ich weiß es durchaus zu schätzen und honoriere, was Miller und seine Crew stunt-technisch auf die Beine gestellt haben und sich besonders auf die Wurzeln des zweiten Teils besinnt wurde. Was hier actionmäßig abgeht sucht seinesgleichen – sowohl, was im bisherigen Kinojahr zu sehen war als auch, und das behaupte ich kühn, was noch zu sehen sein wird.

Leider können die dünne Story, die lange Laufzeit und der auf Furiosa gerichtete Fokus dem Bild-Bombast nichts entgegensetzen und so bleibt unterm Strich ein storyloses, wenn auch perfekt choreografiertes, aber schnell langweilendes Stunt-Stakkato. Die Zeit wird zeigen, ob Miller einen modernen Klassiker oder einen dem Hype nicht gerecht gewordenen Aufguss (s)einer Action-Ikone geschaffen hat. Und vielleicht weiß dann sogar ich mit der Zeit, ob mir Fury Road letzten Endes gefällt – oder nicht…

Mad Max: Fury Road