I Got The Fever°

Übermorgen ist der Google Reader Geschichte! Petitionen und Proteststürme nützten nichts: Google schaltet den nicht nur von mir so geliebten Service ab. Nach dem ersten Schreck probierte ich etliche Alternativen aus, aber nur eine überzeugte mich: Fever° von Shaun Inman.

Fever° ist eine kostenpflichtige PHP-Applikation und wird auf dem eigenen Webserver installiert. Der große Vorteil gegenüber den Mitbewerbern: Man ist nicht mehr von Dritten abhängig und braucht sich nicht sorgen, dass im Falle einer Abschaltung des Services die Zukunft der über Jahre gesammelten Feeds ungewiß ist. Der Nachteil: Für Fever° benötigt man einen Webserver mit PHP (ab 4.2.3) und MySQL (ab 3.23) als moderate Minimumvoraussetzungen. Sofern man eine Domain sein eigen nennt, besitzt man wahrscheinlich dazugehörigen Webspace (und somit auch einen Webserver) und kann – nach Zahlung von US$ 30 – sofort mit dem Setup loslegen.

Bedauerlicherweise hat man keine Chance Fever° vorab zu testen. Eine Demo existiert nicht, und man kauft quasi die Katze im Sack.

Die Installation

Bevor man den Kauf tätigt, sollte man sich die „Server Compatibility Suite“ herunterladen, entpacken und in ein dediziertes Verzeichnis auf den Webserver laden. Danach über den Browser die Datei „boot.php“ im Installationsverzeichnis aufrufen und das Ergebnis studieren (die Zugangsdaten der MySQL-Datenbank sollte man zur Hand haben). Der Kompatibilitätstest verrät, ob Fever° in der eigenen Umgebung genutzt werden kann.

Nach dem Kauf erhält man eine E-Mail mit dem Aktivierungsschlüssel, welcher ausschließlich für die beim Kaufvorgang registrierte Domain gilt. Diese Domain kann man allerdings jederzeit ändern, falls der RSS-Reader umziehen muss. Den Schlüssel und die Zugangsdaten in die zuvor angelegte Installation eingeben und fertig!

Nun können die Feeds eingepflegt werden. Dies geschieht entweder manuell oder per OPML-Upload. Gut zu wissen: Hat man seine Google-Feeds exportiert, können diese 1:1 in Fever° importiert werden.

In den Einstellungen kann man unter anderem festlegen, ob beim Klick auf Links die entstehenden Referrer anonymisiert oder ob verfügbare Updates automatisch installiert werden sollen. Außerdem kann man einen Cronjob einrichten, der sich um die Feed-Aktualisierungen im Hintergrund kümmert. Ein Blick in die knapp gefasste FAQ lohnt sich.

Die Features von Fever°

Wie schon erwähnt, bietet Fever° eine OPML-Im-/Export-Funktion. Zudem hält sich die Installation auf dem aktuellen Stand und zieht auf Wunsch Updates selbständig. Um nicht mit der Maus hantieren zu müssen, gibt’s eigene Tastatur-Shortcuts. Spam-Domains lassen sich mittels Blacklist sperren.

Eine Sharing-Funktion gibt’s ebenfalls: Mit benutzerdefinierten URLs ist es möglich so ziemlich jedes soziale Netzwerk in Fever° einzupflegen, um einen Artikel mit der Netzgemeinde zu teilen. Via Twitter teilt man einen Artikel zum Beispiel so: http://twitter.com/?status=%t:%20%u

Eine Suchfunktion rundet das Feature-Set ab.

But wait, there’s more… ;-) Das Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz ist die „Hot“-Ansicht. Hierbei handelt es sich um eine Funktion, die die eigenen Feeds durchforstet und die meistbesprochenen Themen auf einer Thermometer-Skala gruppiert. Somit kann man sich einen schnellen Überblick verschaffen, worüber gerade in der Blogosphäre geschrieben bzw. diskutiert wird. „Hot“ funktioniert besser, je mehr Feeds man in Fever° einspeist.

I Got The Fever°!

Mac-User dürfen sich über Fluid-Support freuen (das passende Icon gibt’s hier).

Fever° integriert sich wunderbar in den populären Reeder für’s iPhone. Leider unterstützen weder der iPad- noch der Mac-Reeder Fever° (vielleicht hat Silvio ein Einsehen und verpasst den beiden Apps ein entsprechendes Update) – macht aber nichts: Wer einen mobilen Browser nutzt, darf sich am angepassten Layout erfreuen.

Die – zugegeben – hohen Anschaffungskosten bereue ich nicht: Fever° läuft absolut stabil auf meinem Shared-Hosting-Webspace. Sollte ein Feed aus irgendeinem Grund nicht von Fever° verarbeitet werden können, genügt eine Eingabe an Shaun über die offizielle Website, der sich umgehend des Problems annimmt.

Google kann den Reader unbesorgt abschalten: Ich bin glücklich.