Review: Elysium

Vier Filme wollte ich in diesem Jahr unbedingt im Kino sehen: Star Trek: Into Darkness, World War Z, Pacific Rim und Elysium. Die Sternenreise in die Dunkelheit konnte ich aus zeitlichen Gründen nicht antreten, über das Brad-Pitt-Vehikel decke ich den Mantel des bedauerlichen Schweigens und meinen Sermon zu Pacific Rim habe ich hier abgegeben. Fehlt noch Elysium…

Elysium

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Oben die Reichen, unten die Armen

In Neill Blomkamps zweitem Langfilm (nach dem herausragenden District 9) werden die Menschen im Jahr 2154 in zwei Klassen unterteilt: Auf der Erde vegetieren die Armen und Kranken, auf der Raumstation Elysium residieren die Reichen und Mächtigen. In dieser dystopischen Welt erleidet der von Matt Damon gespielte Max DeCosta einen Arbeitsunfall und steckt sich mit der Strahlenkrankheit an. Fünf Tage hat er noch zu leben. Die Aussicht auf Heilung versprechen die Medibänke auf Elysium: Unweigerlich zum Tod führende Krankheiten werden binnen eines Wimpernschlags ausradiert. Doch diese gottgleiche Technik steht ausschließlich den privilegierten Bewohnern der Raumstation zu…

Elysium

Auf Elysium herrscht Verteidigungsministerin Jessica Delacourt (Jodie Foster hat sichtbar Lust auf ihre Rolle und spielt brilliant auf), welche nur zu gern die Position des gemäßigten Präsidenten Patel einnehmen würde und auch vor Mord nicht zurückschreckt. Hierfür macht sie sich allerdings nicht selbst die Hände schmutzig, sondern hat einen „irdischen“ Schläfer und Agenten namens Kruger (unfassbar genial: Sharlto Copley aus District 9) am Start, der gewissenlos seine Aufträge verrichtet.

Um sein Überleben zu sichern, lässt sich Max auf einen lebensgefährlichen Deal mit einem früheren Weggefährten – dem Rebellen Spider – ein. Dieser ist in der Lage die Barrieren Elysiums zu umgehen und illegale Einwanderer von der Erde in den heilversprechenden Orbit zu befördern. Wenn Max Daten aus dem Gehirn eines zufällig ausgewählten Elysium-Bewohners stiehlt, um an dessen Vermögen zu gelangen, würde Spider ihm als Gegenleistung das erlösende Ticket für den All-Flug überreichen. Der Rüstungsmagnat John Carlyle (William Fichtner) – CEO von Armadyne Corp., wo Max der tödlichen Strahlendosis ausgesetzt war – wird als Zielperson ausgesucht. Für den Auftrag verpasst man Max nicht nur ein Gehirnimplantat, sondern auch ein Exo-Skelett, um ihn stärker und ausdauernder zu machen.

Elysium

Um die endgültige Herrschaft über Elysium zu erlangen, plant die Ministerin einen Putsch und beauftragt Carlyle, der mit seiner Firma für die Technik Elysiums verantwortlich zeichnet, ein Reboot-Programm für die Raumstation zu schreiben, welches dieser über seine Neuroschnittstelle in seinem Hirn speichert, um es gefahrlos nach Elysium bringen zu können. Als Gegenleistung erhält Carlyles Firma Aufträge für die nächsten 200 Jahre.

Beim nächsten Rückflug ins All wird Carlyles Transportschiff von Max abgeschossen. Die Daten respektive das Programm können zwischen Carlyle und Max synchronisiert werden; jedoch heftet sich der mittlerweile zum Söldner degradierte Kruger mit seinen Vasallen an Max’ Fersen, um das Putsch-Programm für die um ihre Position fürchtende Ministerin zurückzuholen.

Max flüchtet zu seiner Jugendliebe Frey (die hinreißende, aber etwas blasse Alice Braga) und ihrer an Leukämie im Endstadium erkrankten Tochter Matilda. Während Max von der Brisanz des in seinem Kopf gespeicherten Programms erfährt (ermöglicht es doch, dass jeder Erdenbewohner ein Bürger Elysiums wird und somit dieselben medizinischen Mittel wie den Elysianern zur Verfügung stehen), spüren von Kruger ausgesetzte Drohnen Frey und Matilda auf, die daraufhin als Geiseln genommen werden.

Aufgrund seiner knappen, noch verbleibenden Lebenszeit und eines verhängten Flugverbots lässt sich Max von Kruger gefangen nehmen und nach Elysium bringen. Auf dem Schiff trifft er auf Frey und Matilda. Als das Raumschiff den künstlichen Luftraum über Elysium erreicht, wird es durch Max zum Absturz gebracht. Den Dreien gelingt die Flucht, und Kruger verliert sein Gesicht (im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch dank einer von Max gezündeten Granate).

Elysium

Nachdem Kruger mittels Medibank wiederhergestellt und selbst mit einem Exo-Skelett ausgestattet wurde, eskaliert ein Disput mit der Ministerin. Er offenbart Delacourt, dass er mit Hilfe des in Max’ Kopf gespeicherten Programms selbst die Macht über Elysium erlangen will und tötet diese anschließend. Seinen Häschern trägt Kruger auf Frey und Matilda zu töten. Bevor es dazu kommt, kann Max eingreifen und den beiden zur Flucht verhelfen. Mittlerweile ist auch Spider mit einigen Verbündeten auf Elysium angelangt. Während Frey versucht ihre Tochter auf einer Medibank zu heilen (was fehlschlägt, da Matilda keine offizielle Bürgerin Elysiums ist), treffen Max und Kruger aufeinander… Im Showdown zieht Kruger (erwartungsgemäß) den Kürzeren.

Spider verbindet Max an einem Terminal mit dem Interface der Raumstation und weist ihn darauf hin, dass der Download der Daten Max’ Tod bedeuten würde. Um jedoch Matilda zu retten und der Erdbevölkerung wieder ein lebenswertes Dasein zu geben, opfert sich Max… Nach dem Reboot des Computersystems erkennt dieses, dass ein Großteil der auf der Erde lebenden Menschen medizinische Unterstützung benötigen und sendet daraufhin Raumschiffe mit Drohnen und Medibänken, um den Menschen die notwendige medizinische Versorgung zukommen zu lassen.

Elysium

Was ein Brett von einem Film!

Elysium hat mich geflasht! Mächtig sogar! Am liebsten hätte ich mich gleich wieder in die Schlange an der Kinokasse eingereiht, um eine zweite Karte in den Orbit zu lösen und auf der in hellem Glanz erstrahlenden Gated Community einzuchecken; auf welcher es en vogue ist sich auf Französisch zu unterhalten, während unten auf der Erde die Menschen in den Ruinen der Städte ihrer Arbeit (oder ihren kriminellen Machenschaften) nachgehen und Spanisch die neue Weltsprache zu sein scheint. Düstere und abgefuckte SciFi-Settings liegen mir einfach. Die Alien-Reihe, Event Horizon, Dredd, The Book Of Eli, The Road… Soll ich weiter aufzählen?

Die Schauspieler, allen voran Sharlto Copley, haben hervorragende Arbeit geleistet und stellen ihre Charaktere glaubwürdig dar. Jodie Foster verpasst ihrer Figur eine überzeugende Kaltschnäuzigkeit und Copley ist der beste Psychopath seit Anthony Hopkins eine Leber mit Fava-Bohnen und einem Chianti genoss (Ups, da war ja auch Jodie dabei). Bei diesen Leistungen gerät Damon – trotz Lead – zwangsweise ins Hintertreffen. Kein Wunder, muss er doch nicht mehr machen als sich rennend, prügelnd und ballernd auf den Weg in die orbitale Erlösung zu begeben (ist nicht böse gemeint). Alice Braga als Love Interest ist trotz ausreichender Screentime nur schmückendes Beiwerk.

Das macht aber nichts! Ehrlich! Der Film hätte auch gar keinen A-Schauspieler benötigt, denn wenn die (virtuelle) Kamera von der ramponierten Erde zur Raumstation schwenkt und diese weitwinklig überflogen wird oder man Max durch das überbevölkerte und zerstörte Los Angeles auf seinem Weg zur Arbeit begleitet, wird man sowieso von den kongenialen Spezialeffekten eingenommen. Die Kamera-Arbeit darf als handwerklich solide bezeichnet werden (komplizierte Soundstages dürften eher die Ausnahme gewesen sein). Nur selten kommt eine extreme Wackelkamera zum Einsatz; die Action bleibt stets übersichtlich. Hinzu kommt ein orchestraler Sound-Teppich, der ab und an ein wenig zu dick aufträgt. Aber was wäre ein solches Heldenepos ohne pathetische Klänge?

Danke, Neill, für meinen Sommer-Blockbuster 2013!

Natürlich muss man als Zuschauer schon die Hightech-Betten schlucken, auf die man sich nur wenige Sekunden zu legen hat und todbringende Krankheiten binnen Sekunden geheilt werden. Aber hey, das ist ein Science-Fiction-Film! Und diesem sollte man nicht mit einer Lindenstraßen-Logik auf den Pelz rücken, sondern sich von den grandiosen Aufnahmen, die nur im Kino voll zur Geltung kommen, berauschen lassen.

Ich hätte den knapp zweistündigen Ausflug gerne noch um eine weitere Stunde verlängert. Nach District 9 hat Blomkamp (erneut) bewiesen, dass er realistisch anmutende Spezialeffekte, eine Prise Gesellschaftskritik, ein brauchbares Drehbuch und gute Schauspieler zu einem aufregenden und kurzweiligen Mix verquirlen kann. Jetzt aber bitte schnell mit dem zweiten District-Film beginnen…

Für mich der diesjährige Sommer-Blockbuster! Garantiert 3D-frei.

Elysium