Review: Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Für die finale Printausgabe des Life-Magazins soll ein einzigartiges Foto für das Cover verwendet werden. Doch ausgerechnet das Negativ geht einem Archivar verloren… Eine fantastische Geschichte über Selbstfindung und ‐verwirklichung nimmt ihren Lauf – oder doch nicht?

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Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Walter Mitty (Ben Stiller) führt ein langweiliges Leben. Die Welt kennt der Tagträumer nur von seinem Job als Archivar und von den Fotos, welche ihm Journalisten aus aller Herren Länder zusenden und die er für das Life-Magazin seit 16 Jahren aufbereitet.

Einer dieser Journalisten ist der legendäre Fotograf Sean O’Connell (Sean Penn), der für die letzte Printausgabe mehrere Negative an Walter sendet – darunter ein spezielles, welches das Cover schmücken soll, da es wie kein anderes die „Quintessenz“ des Life-Magazins repräsentiert. Doch ausgerechnet dieses Negativ scheint abhanden gekommen zu sein…

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Da O’Connells Aufenthaltsort unbekannt ist und er weder Handy noch E-Mail nutzt, kann Walter nicht so einfach mit ihm in Kontakt treten. Durch die Sichtung der gesendeten Negative erhält Mitty jedoch den Hinweis, dass sich der Fotograf in Grönland aufhalten könnte. Und so besteigt Walter den nächsten Flieger, um die Angelegenheit zu klären.

In Grönland angekommen erfährt Mitty, dass der Fotograf per Schiff weitergereist ist. Um die Spur nicht zu verlieren, lässt sich Walter per Hubschrauber auf das Schiff bringen. Doch wieder zu spät: O’Connell ist nicht mehr an Bord. Walter erhält aber einen weiteren Hinweis, dass sich O’Connell auf Island aufhält, wo er den Ausbruch des Eyjafjallajökull fotografieren will. Kurz bevor Walter seine Chance erhält, auf Island den Fotografen zu treffen, bricht der Vulkan aus und macht ihm einen weiteren Strich durch die Rechnung…

Nach einem Zwischenstopp in New York und einem weiteren Hinweis folgt Walter der Spur O’Connells in den Himalaya…

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Alles nur geträumt?

Dieser Film ist keine typische Ben-Stiller-Komödie! Wer Focker-Schenkelklopfer erwartet, wird enttäuscht sein. Auch werden sich Anhänger des Originals vor den Kopf gestoßen fühlen, denn Stiller, der nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch als Regisseur verantwortlich zeichnet, verpasste dem Stoff nicht nur einen zeitgemäßen Anstrich, sondern änderte auch die eigentliche Story – was keinesfalls als Kritik anzusehen ist (außer von den „Hardcore-Fans“, so es diese denn bei dem 1947er Original geben mag).

Bis auf die „Hunderettungsaktion“ (die auch schon im Trailer gezeigt wurde) kann sich der Zuschauer an keinem Punkt der Handlung sicher sein, ob man sich gerade in einem von Walters Tagträumen befindet oder dieser tatsächlich mit einem Hai kämpft oder sich mit einem Warlord über den selbstgebackenen Kuchen seiner Mutter unterhält (von der jeweiligen Wahrscheinlichkeit und Frequenz des Erlebten mal abgesehen).

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Die Darsteller, von Stiller über MacLaine bis Penn, leisten eine überdurchschnittliche Performance. Nur Kristen Wiig bleibt als Love Interest etwas blass. Die Verwandlung vom Jedermann zum draufgängerischen Abenteurer ist durchaus glaubwürdig dargestellt – wenn auch zeitweilig das gewünschte Augenzwinkern fehlt und Stillers Mitty ab und an ein wenig zu ernst daherkommt. Aber das nur am Rande… Wer das Haar in der Suppe sucht, wird es sicherlich finden.

Die großartig eingefangenen Bilder von Stuart Dryburgh sind eine Wucht! Keine aufgeregte Wackelkamera, stets der Situation angepasst und wunderbar in 2D auf der großen Kinoleinwand anzusehen. Ein Augenschmaus! Aber auch bei der Musikuntermalung gibt es nichts zu bemängeln: Passend zu den Motiven wird die Stimmung perfekt transportiert.

Auch bei den Spezialeffekten, ohne die ein Film wie dieser kaum auskommt, gibt’s nix zu mäkeln. Egal, ob Walter dem Hai auf die Nase haut, vor dem gewaltigen Vulkanausbruch flieht, aus einem viel zu großen Flieger für einen viel zu kleinen Grönland-Flughafen steigt oder als Benjamin Button auftritt (was übrigens in meinen Augen die einzig deplatzierte Szene des ganzen Films ist und wohl ein Zugeständnis an die Focker-Fans sein soll): Die SFX sind ordentlich ausgearbeitet und ordnen sich der Handlung unter, so dass der Betrachter nicht ständig daran erinnert wird, dass es „nur“ ein Trick ist.

Leider – und das ist mein einziger Kritikpunkt – bekommt man am Ende des Films das Foto doch noch zu Gesicht. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt gehofft, dass es sich um einen MacGuffin handelt, wurde aber diesbezüglich enttäuscht. Denn durch das Zeigen des Fotos (auch wenn es durchaus als Quintessenz herhalten mag), verfliegt die Magie des fantastischen Abenteuers etwas.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Unterm Strich bekommt der Zuschauer ein grandios inszeniertes Märchen mit einer etwas zu platt (weil stets präsent) servierten Message: Das Leben und den Alltag nicht immer als gegeben zu nehmen, sondern die Möglichkeiten nutzen, aus diesem starren Geflecht auch mal auszubrechen, sich selbst zu verwirklichen und einfach mal etwas zu wagen.

Eine Empfehlung – nicht nur für Tagträumer sehenswert!